Karriere vorbei: Was bleibt nach dem Profisport, Sarah van Berkel?
Shownotes
Sarah van Berkel war einst die beste Eiskunstläuferin der Schweiz. Vor ihrer letzten Kür treibt sie vor allem ein Gedanke an: «Ich schulde es mir selbst, dass ich es nochmals versuche.» Als Profisportlerin lebe man das restliche Leben mit der Erinnerung an den eigenen Rücktritt. Sie wollte sich nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben. Wie sie es geschafft hat, ihren letzten Auftritt zum Highlight ihrer Karriere zu machen, und was danach kam – darüber spricht sie in «NZZ Megahertz».
Diese Podcastfolge ist Teil der Staffel «NZZ Megahertz: Das letze Mal». Die Hosts sprechen mit verschiedenen Persönlichkeiten darüber, Dinge ein letztes Mal zu tun – oder sich darauf vorzubereiten.
Gast: Sarah van Berkel, ehemalige Profi-Eiskunstläuferin
Host: Alice Grosjean
Sarahs letzten grossen Auftritt könnt ihr hier nachschauen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Dieser Podcast wird ihnen präsentiert vom Zurich Filmfestival, vom twenty-fünfzehnten September bis fünften Oktober in Zürich.
00:00:15: NCZ Megaherz.
00:00:18: Das letzte Mal.
00:00:25: Auch im echten Leben gibt es manchmal Märchenmomente.
00:00:30: Es bräuchte sie in den Hundert neun, neun, neun Punkten.
00:00:37: Sarah Meyer ist fertig.
00:00:39: Die Eiskunstläuferin ist gerade die allerletzte Kühe ihrer Karriere gelaufen.
00:00:43: Sie ist die letzte Läuferin in diesem Wettkampf und jetzt sitzt sie auf einer weißen Bank neben dem Eisfeld und wartet auf das Urteil der Punkterichter.
00:00:57: Die Trainerin tätscht ihr das Bein und dann sieht man im Video, wie sie den Mund und die Augen aufreißt und wild in die Hände klatscht.
00:01:15: Sie umarmt ihre Trainerin und ist einfach nur fassungslos.
00:01:19: Und dann springt sie doch noch auf.
00:01:21: Sie hüpft herum und winkt ins Publikum.
00:01:24: Und diese sympathische Athletin,
00:01:28: einmal so außer sich vor Freude zu erleben.
00:01:34: Dieser Moment, das war Zwei-Tausend-Elf.
00:01:37: Die Schweizerin Sarah Meier wird Europameisterin im Eiskunstlauf.
00:01:41: Zu Hause vor Heimpublikum, im allerletzten Wettkampf ihrer Karriere.
00:01:45: Und die selbe Sarah ist heute, vierzehn Jahre später, hier bei uns im Megaherz-Studio.
00:01:51: Sehr schön, bis du da.
00:01:52: Vielen Dank, ich freue mich.
00:01:54: Und damit auch herzlich willkommen zu NCZ Megaherz.
00:01:57: Ich heiße Alice Grosjean und du heißt eigentlich gar nicht mehr Sarah Meier, sondern Sarah van Berkel.
00:02:03: Du hast nämlich geheiratet, einfach, damit es hier keine Verwirrung gibt.
00:02:08: In unserer aktuellen Staffel sprechen wir über das Abschied nehmen und darüber auch, wie man Dinge zum allerletzten Mal macht.
00:02:15: Und diese Europameisterschaften damals in Bern, da hattest du... Wortwörtlich, so deinen letzten großen Auftritt.
00:02:28: Was macht das heute noch mit dir?
00:02:30: Es ist immer noch sehr emotional, vor allem weil der Moment so speziell war, klar wegen dem letzten Mal, aber weil es auch gleichzeitig mein größter Erfolg war.
00:02:39: und halt das ... Eigentlich das einzige Mal, also es war wie ein erstes und ein letztes Mal gleichzeitig, weil das erste Mal in meiner ganzen Karriere wie alles zusammenpasste.
00:02:50: Also meine Leistung und dann auch noch, dass halt alles aufging, dass ich am Schluss noch gewinnen konnte.
00:02:56: Ich habe wie die ganze Karriere lang eigentlich auch probiert, das zu schaffen und am Ende ist alles aufgegangen und deshalb ist es schon sehr emotional.
00:03:06: Abgesehen von den Videobildern, wenn du so zurück denkst, an welche Eindrücke kannst du dich noch erinnern von diesem Moment?
00:03:14: Es gibt ganz viele, also von dieser Woche, also ich kann mich noch sehr genau an die Anspannung erinnern und an das unangenehme Gefühl im Magen.
00:03:24: Ja, mich macht die Nervosität meistens ein bisschen müde.
00:03:27: Also ich war so recht müde und konnte fast nichts essen.
00:03:31: Das hat mir Wort wirklich auf den Magen geschlagen.
00:03:34: Das weiß ich noch.
00:03:35: Ich weiß, dass ich meine Familie zum Beispiel nicht vor dem Wettkampf sehen wollte, weil ich wusste, wenn ich sie sehe, dann breche ich gleich in den Tränen aus.
00:03:42: Also ich musste wie die Emotionen in mir drin behalten.
00:03:46: Und deswegen sind dann auch wie am Ende des Programms, also auch aus Erschöpfung, aber auch ... Der Abfall des ganzen Drugs sind dann wie alle Dämme gebrochen, weil ich so lange das versucht habe, in positive Energie umzuwandeln, neben in mir drin zu behalten und nicht das schon vorher herauszulassen.
00:04:04: Und ja.
00:04:09: Sarah van Berkel ist bis heute die erfolgreichste Schweizer Eiskunstläuferin.
00:04:13: Zwei Tausendzehn kündigte sie ihren Rücktritt an und gewann danach bei ihrer allerletzten EM zum ersten Mal Gold.
00:04:20: Damals war sie siebenundzwanzig Jahre alt.
00:04:23: Heute ist Sarah und arbeitet als Selbstständige in der Sportkommunikation und im Sportjournalismus.
00:04:29: Sie hat den Schweizer Triathleten Jan van Bergl geheiratet und hat zusammen mit ihm zwei Kinder.
00:04:37: Kannst du dich für uns nochmal kurz zurückversetzen in diesen Moment, bevor du aufs Eis bist, also vor deiner Kühe?
00:04:44: An was hast du da gedacht oder was war da dein Fokus?
00:04:48: Mir war schon sehr bewusst, dass ich es jetzt das letzte Mal, dass ich das mache.
00:04:52: Ich habe mich auch so vorbereitet und meine größte Angst in den Wettkämpfen ist immer, dass ich durch die Nervosität wie nicht im Moment bleibe.
00:05:03: Ich hatte auch schon solche Erfahrungen, dass ich wie am Ende des Wettkampfs denke, ich war wie so in einer Trance und habe gar nicht bewusst Einfluss genommen und dann passierten Fehler.
00:05:12: und ich dachte am Schluss, jetzt will ich nochmals raus und so wie dass ich schaffe im Moment.
00:05:17: Hundertprozent zu geben und nicht danach dort sitzen in der Ecke, die Kiss and Cry Ecke heißt.
00:05:24: und dann denke ich, ich will jetzt nochmal, also ich muss einfach in jedem Moment Hundertprozent geben können, also ganz ganz mich bewusst wahrnehmen und auch das Publikum und den Moment, was natürlich dann den Druck wie verstärkt hat, weil ich mich, ich habe mir selber um meine Trainerin, hat mir auch immer wieder gesagt, das ist jetzt das letzte Mal, du kannst es danach... dein ganzes Leben nicht mehr gut machen, sozusagen.
00:05:49: Aber ich habe das irgendwie gebraucht.
00:05:51: Und das Zweite war, ich war nach dem Kurzprogramm Dritte, was für mich schon sehr, sehr gut war.
00:05:58: Aber ich wusste aus der Erfahrung, der Jahre hervor, wenn ich jetzt versuche, an dem Dritten Rang, irgendwie festzuhalten und vorsichtig bin, eben dann passiert halt das, was ich nicht will, bin dann vielleicht zu vorsichtig.
00:06:10: Also voll
00:06:12: drauf.
00:06:12: Ja, genau, habe ich wirklich mit meiner Trainerin besprochen, ich gehe für Gold und nicht um den dritten Rang irgendwie festzuhalten.
00:06:19: Aber eigentlich war das völlig utopisch, dass ich, ich habe nicht wirklich daran geglaubt, dass ich gewinnen könnte, aber einfach der Mindset musste so sein, ich gehe für Gold, dass es dann am Schluss Gold gab, also okay.
00:06:33: Aber das funktioniert auch, wenn du eigentlich irgendwie nicht dran glaubst, dass es klappen könnte, dich da rein zu versetzen, das geht.
00:06:39: Ja, irgendwie ging es in diesem Moment.
00:06:42: Ja, einfach, dass diese Vollgasmentalität und nichts unversucht lassen, wie ich glaube, das wäre dann auch einfacher gewesen für mich im Anschluss nach dem Rücktritt, wenn ich vielleicht gestürzt wäre, aber einfach, ich habe alles reingelegt in die Performance und nicht am Schluss.
00:07:00: Es passiert noch oft, dass vielleicht aus einem dreifachen Sprung gibt es dann nur einen Doppelten, wenn man irgendwie zu wenig angreift und da hätte ich, glaube ich, mehr Mühe.
00:07:08: damit gehabt, als ich habe einfach alles gegeben und es hat dann vielleicht nicht geklappt.
00:07:13: Also du wolltest dir nichts vorwerfen im Nachhinein.
00:07:15: Genau.
00:07:17: Und so dieses, weiß nicht, diese Vorstellung, die man vielleicht von außen manchmal hat, so und dann ertönt die Musik, dann ist alles weg um einen rum.
00:07:25: Ist das bei dir auch so, dass das im Gegenteil, wenn du sagst, so in diesem Moment bleiben, dann nimmst du alles wahr, die Musik, das Publikum dich selber.
00:07:33: Es ist lustig, weil ich glaube, das ist so ein bisschen die... Dualität von diesem Moment, weil ich war in meiner Performance schon wirklich präsent, aber ich kann mich nicht ganz genau daran erinnern gleichzeitig.
00:07:47: Also ich weiß noch, man versucht das im Training eigentlich so wie zu programmieren, dass wenn die Musik läuft, dass die wie so Schlüsselgedanken zu setzen, das ist eigentlich mentale Arbeit, die dann im Vorfeld passiert, dass man, wenn die Musik ertönt, automatisch... die Gedanken hat, die können technisch sein oder manchmal auch nur atmen, dass sie dann so wie automatisch kommen.
00:08:09: Und das konnte ich wirklich gut umsetzen.
00:08:14: Es war recht oft zum Beispiel eben stoßen stoßen, also Tempo das Tempo nicht verlieren.
00:08:20: Es waren wenig so technische Dinge, weil wenn man Eigentlich wusste ich ja, dass mein Körper das kann, aber die Energie reicht vielleicht nicht aus und deswegen auch ab und zu atmen, also bewusst atmen.
00:08:32: Also
00:08:32: auch die Energieeinteilen von Anfang bis Schluss,
00:08:35: das ist reicht.
00:08:35: Ja, genau.
00:08:36: Wenn jetzt von diesem Moment, von der letzten Kühe nochmal so ein bisschen weiter zurückspulen in der Zeit, so die letzten Monate davor und deine aktiven Karriere, wie war dein Leben damals, wie war so ein klassischer Sarah-Meier-Tagel?
00:08:50: Ja.
00:08:50: Das erste Training begann meistens etwa um neun Uhr auf dem Eis, als zuerst Warmup, dann ein Eis-Training.
00:08:56: Idealerweise dann eine Pause und ein zweites Eis-Training zum Beispiel oder noch ein Konditions- oder Krafttraining, aber in den Monaten vor dem letzten Wettkampf war ich verletzt.
00:09:07: Deswegen war ich sicher eigentlich, ja, ich glaube mehr damit beschäftigt, zum Beispiel eben mit Warm-up, mit dann gut auslaufen, meinen Fuß einzutapen vor dem Training.
00:09:18: Das Training war meistens eher kurz und ... eher so ein bisschen ein Ausprobieren, was geht heute und dann vielleicht auch mal ein Abbrechen, dann ein... Ja, zwei, drei Stunden Pause, dann physioverschrieben das Training, nochmal seinen Versuch und dann... Also
00:09:33: sehr, sehr körperzentriert und schauen, was er kann an diesem Tag und was nicht.
00:09:37: Ja, genau.
00:09:38: Also wenn ich jetzt einen typischen Spitzensportler Tag aus meinem Leben beschreiben müsste, wäre der anders als in den Monaten vor diesem Wettkampf.
00:09:46: Das war ein bisschen das schwierige, natürlich der typische Tag.
00:09:50: Wäre so zwei bis drei Eistrainings, Warmups, zwei dann noch vielleicht Palette oder Choreografie.
00:09:57: So das Klischee, das man im Kopf hat, das Leben eines Spitzensportlers dreht sich alles nur um den Sport und daneben gibt es nicht mehr viel Zeit für anderes.
00:10:04: War das bei dir auch so, stimmte das ein bisschen oder nicht?
00:10:07: Über die ganze Karriereweg würde ich sagen, nein, weil ich habe nicht so viel trainiert, als ich zum Beispiel klein war oder auch in der Teenager-Zeit.
00:10:17: Das Training habe ich wie stetig ein bisschen heraufgeschraubt.
00:10:21: Ja, ich war vielleicht nicht die typische Eiskunstläuferin.
00:10:25: dass er als Hobby gesehen, als ich klein war und dann bin ich irgendwie so reingerutscht.
00:10:30: Aber später dann, jetzt zum Beispiel in dieser Phase vor dem letzten Wettkampf, ja war schon recht alles darauf ausgerichtet, eben weil dann noch ... gut schlafen, natürlich regenerieren, die verschiedenen Therapien nebenzu diesem Mars, zu diesem Physiodas.
00:10:45: Nach dazu kamen, ja, habe ich schon nicht mehr so viel daneben gemacht.
00:10:48: Aber grundsätzlich hatte ich eine sehr gute Balance und hatte auch immer Zeit für soziale Kontakte, zum Beispiel einmal im Jahrferien.
00:10:58: Ja, ich hatte das.
00:10:58: Also das wäre dann nur so phasenweise?
00:10:59: Ja, genau.
00:11:10: Seien Sie dabei, wenn Zürich zur Filmmetropole wird.
00:11:14: Vom XXV.
00:11:15: September bis V. Oktober bringt das Zurich Film Festival zahlreiche Kino-Highlights und Stars aus Hollywood in die Limatstadt.
00:11:21: Erleben Sie Weltpremieren im Kinosaal oder große Momente am grünen Teppich?
00:11:26: Tickets ab Fünfzehnten neunten unter zff.com.
00:11:33: Irgendwann hast du dich dann entschieden, dass du noch genau dieses eine Mal antrittst in Bern bei der Europameisterschaft.
00:11:40: Und dann ist fertig.
00:11:41: Genau.
00:11:41: Wann war das?
00:11:42: Wann hast du das für dich entschieden?
00:11:44: Das war im Oktober erst, wenn ich mich richtig erinnere.
00:11:48: Also
00:11:48: im Oktober vor dem Wettkampf im Januar.
00:11:50: Genau.
00:11:51: Ich habe eigentlich, ich wusste gar nicht, ob ich diesen Wettkampf noch laufen möchte.
00:11:55: Die WM davor, das war, das war, das war, das war mein schlechtester Wettkampf.
00:12:01: Und dann kam das Sommertraining und ich wusste nicht recht, ja soll ich jetzt nochmals probieren, aber ich... habe dann gedacht, ich schulde mir selber, dass ich es noch einmal versuche, einfach nur in Form zu kommen, nur ein Summertraining zu machen.
00:12:15: Warum
00:12:15: dir selber schulden?
00:12:16: Ich denke, so wie eben mit diesem Moment des Rücktritts lebt man dann das ganze Leben und ich wollte nicht den Moment, was wäre wenn, was wäre oder warum habe ich es damals nicht nochmals versucht.
00:12:28: Ich habe wie gespürt, ich werde glaube ich in Zukunft einmal mit dieser Entscheidung hadern, wenn ich jetzt nach dem schlechtesten Moment einfach aufhöre und es nicht noch einmal versuche.
00:12:39: Und dann habe ich wie gedacht, ich versuche es und egal wie schlecht das es rauskommt, ich habe es dann wenigstens noch versucht.
00:12:46: Und dann habe ich mich eben nach einem guten Sommertraining eben nochmals verletzt an meinem zweiten Wettkampf.
00:12:53: Das war dann im Oktober.
00:12:55: Ja, da hab ich nochmals alles in Frage gestellt, aber kann dann zur gleichen Entscheidung.
00:13:00: Okay, ich probier's einfach noch das eine Mal bis im Januar.
00:13:04: Und dann ist aber wirklich, also mein Körper war, ich hab wie gemerkt, ich kann irgendwie nicht mehr.
00:13:09: Ich habe wieder gedacht, nein, ich kann jetzt auch so nicht einfach aufhören.
00:13:14: Ich muss es einfach noch probieren.
00:13:16: Und auch wenn ich einen Tag vor dieser Europameisterschaft in einer Pressekonferenz meinen Rücktritt erkläre, dann ist es okay.
00:13:24: Aber ich will es einfach bis dahin probieren.
00:13:27: Und du hast jetzt schon eben angetönt, du hattest eigentlich zwei Verletzungen auch am Fuß.
00:13:31: Wie ging es deinem Körper in dieser Phase?
00:13:34: dass man sich das ein bisschen vorstellen kann, wenn man nicht im Spitzensport zu Hause ist.
00:13:38: Ich hatte einen Benderis am Fuß.
00:13:41: Ich sage mal, das ist jetzt nicht eine ganz, ganz schlimme Verletzung.
00:13:44: Aber ich musste für meine Sprünge, die ich brauche, um erfolgreich zu sein, genau bewegung mit diesem eigentlich Fuß.
00:13:54: ein gerissenes Band hatte, musste ich immer extrem in die Dehnung, dass der Sprung überhaupt zählt.
00:13:59: Das
00:13:59: war der Absprungfuß?
00:14:01: Genau, der Absprungfuß eigentlich von meinen schwierigsten Sprüngen.
00:14:05: Das war dann immer so, okay, ich tape den Fuß, dann habe ich weniger Schmerzen, aber ich kann den Sprung gar nicht machen, okay, ich tape den Fuß weniger.
00:14:14: Ich habe dann das Risiko, dass ich ihn... weiter verletze.
00:14:18: Und so war ich ständig eigentlich hin und her mit, was kann ich machen, was nicht.
00:14:23: Ich habe sehr, sehr viel mit meinem Konditrainer auch neben dem Eis trainiert, weil halt eben Stabilisationsübungen, dass der ganze Körper bereit ist für die Belastung.
00:14:33: Dass nicht alles am Fuß nur hängt.
00:14:35: Ja,
00:14:35: genau.
00:14:36: Also ich glaube, ich war.
00:14:37: sehr fit eigentlich, aber nicht unbedingt spezifisch für was ich dann auf dem Eis machen musste.
00:14:43: Und ich habe erst in der Woche vor der Europameisterschaft das erste Mal das Kurzprogramm mit drei Sprüngen fehlfrei durchgelaufen.
00:14:50: Und ja, die Kühe gar nie.
00:14:53: Also es war wirklich so ein bisschen ein Kerl.
00:14:54: Bis zum Wettkampf hast du die Kühe nie am Stück durchgelaufen?
00:14:57: Genau, ja, nie mit allen Elementen.
00:14:59: Ah, wow.
00:15:00: Ist das was, was normal ist, was man bei anderen Wettkämpfen auch macht oder war das jetzt wirklich spezifisch?
00:15:05: der Situation geschuldet?
00:15:06: Ja, das war schon wegen der Verletzung.
00:15:08: Normalerweise, wenn man sagt, man hat das Programm nie durchgelaufen, dann hat man einfach schlecht trainiert, weil das ist das, was man zeigen muss am Wettkampf.
00:15:16: Das heisst, je mehr Repetitionen davon, das man gemacht hat, desto besser.
00:15:20: Also sicher täglich wäre gut mehrmals, aber sicher einmal die Programme durchlaufen pro Training.
00:15:27: wäre schon ein Muss.
00:15:29: Also du hast dich eigentlich extrem gut vorbereitet, abgeschätzt, so ein bisschen immer auf die Spitze getrieben, aber nie ganz.
00:15:35: Und das, was du dann aber am Schluss gezeigt hast, so diese Belastung, die hast du im Endeffekt gar nie ganz geprobt.
00:15:41: Also du wusstest eigentlich auch nicht, ob es energiemäßig, ob das aufgeht oder nicht am Schluss.
00:15:45: Ja,
00:15:45: also ich wusste eigentlich, dass es kaum aufgehen kann, aber... Ja, ich habe sehr viel mental trainiert, mit meinem Sportpsychologen zusammen.
00:15:54: Wir waren in der Halle, ich habe gewusst, wie es aussieht.
00:15:57: Ich habe mir das Programm mental durchgemacht.
00:16:03: gewusst, wie es riecht, wo ich die Garderobe habe, wo der Gang durch ist, was ich genau in welchem Moment mache.
00:16:09: Und so hatte ich ein bisschen vielleicht die Routine im Kopf.
00:16:13: Wenigstens, wenn ich wusste, im Körper habe ich sie nicht, aber ich habe alles versucht.
00:16:17: Also, dass der Kopf wenigstens schon das Gefühl hatte, hätte es schon hundertmal gemacht.
00:16:20: Genau, ja.
00:16:23: Sarah, wir haben bei unserem Podcast noch so eine Rubrik mit so ganz kurzen Fragen, auf die du sehr spontan antworten kannst.
00:16:29: Okay.
00:16:30: Wann hattest du das letzte Mal Schlittschuhe an?
00:16:33: Das war vor zehn Tagen.
00:16:35: Ich habe mit einem Freund von Frühjahr auch vom Eiskunst gelaufen, waren wir zusammen auf dem Eis.
00:16:41: Wir versuchen uns ab und zu, die unter den Ehemaligen ab und zu treffen und wieder einmal Eis zu laufen, aufs Spass, ein bisschen zu improvisieren, zur Musik oder verschiedene Pirouetten zu machen.
00:16:56: Einfach Sprünge gehen nach, aber wirklich einfache und ich brauche dann einfach recht viel.
00:17:02: Zeit, um mich wieder davon zu erholen.
00:17:04: Was hast du mit deinem EM-Kostüm gemacht, mit dem von der Kür?
00:17:08: Das Kürkleid habe ich noch zu Hause, wenn ich mich jetzt recht erinnere.
00:17:14: Das fängt
00:17:14: irgendwo im Estrich oder an einem prominenten Ort?
00:17:17: Nein, nicht an einem prominenten Ort.
00:17:18: Das ist irgendwo in der Garage, also in einem so, in einem Kleidersack.
00:17:23: Also ich habe eigentlich alle Kostüme.
00:17:25: Wenn du dir vorstellst, du könntest jetzt noch mal einen einzigen Tag lang zurück, so in den Zustand deiner Sportkarriere.
00:17:31: Was würdest du machen an diesem einen Tag?
00:17:33: Ich würde ins Trainingslager.
00:17:36: Ich habe immer das Trainingslager-Feeling geliebt.
00:17:39: Also auch in einer Gruppe zu sein, also zusammen zu frühstücken, dann zusammen ins Krafttraining zu gehen, dann aufs Eis und dann, das habe ich immer geliebt.
00:17:50: Und so richtig fit zu sein, das Feeling, das ist Sprünge einfach so.
00:17:56: Ja, es fühlt sich dann ganz leicht und einfach an.
00:17:58: und in dieser ... Zeit habe ich auch das nie so ganz geschätzt, weil man will ja immer mehr und mehr und man ist ja selten zufrieden.
00:18:05: Und jetzt denke ich so, ja, was ich damals konnte mit meinem Körper, das war schon ziemlich
00:18:10: gut.
00:18:15: Also du hattest deinen Rücktritt eigentlich angekündigt.
00:18:19: Wie hattest du dich auf das danach vorbereitet?
00:18:22: Ich habe mich schon vorbereitet.
00:18:25: Mehr in den Jahren davor auch schon, also
00:18:27: jahrelang.
00:18:28: Ja, also nicht sehr bewusst, dass das irgendwie ständig ein Thema war, aber ich hatte viele Verletzungen von dem her.
00:18:36: war das ab und zu ein Thema, ja, was passiert, wenn ich es jetzt nicht mehr zurückschaffe, wenn mein Körper es nicht mehr erlaubt.
00:18:44: Und da war schon recht früh, ja, als ich vielleicht so achtzehn, neunzehn war, das erste Mal diese Diskussion, weil ich in meinen neun Monaten passieren musste.
00:18:52: Und dann auch mit meinem Sportpsychologen, viele Sitzungen mit meinen Eltern, die sich zum Teil etwas Sorgen gemacht haben im Sinne von ... dass das alles für mich ist.
00:19:02: und was passiert dann, wenn ich es nicht mehr machen kann.
00:19:05: Hattest
00:19:05: du diese Sorgen auch oder war das mehr von deinem Umfeld?
00:19:08: Ich hatte diese Sorgen nicht, aber ich war immer davon überzeugt, dass es dann schon wieder geht.
00:19:14: Ich habe mir gar nicht so gross Gedanken gemacht oder ich hatte keine Angst, dass es dann nicht mehr geht.
00:19:19: Ich dachte, das heilt dann und dann geht es ja dann wieder.
00:19:22: Aber ich wollte schon nicht mich mit einem Plan B sehr konkret befassen, weil das war alles, was ich in diesem Moment wollte, aber ich wusste auch, Ja, ich hatte immer das Standbein, halt mit der Ausbildung.
00:19:33: Ich war ja noch sehr jung.
00:19:34: Ich habe auch mal ein Studium begonnen.
00:19:36: Das habe ich dann nach einem Semester wieder, oder nach einem Halbensamester wieder abgebrochen.
00:19:40: Was war das?
00:19:40: Biologie.
00:19:41: Das hat sich dann nicht so gut ergänzt mit dem Training, weil immer meine Gedanken waren am falschen Ort.
00:19:49: Und genau mit den Eiszeiten war ich überhaupt nicht flexibel.
00:19:51: Und aber dann, ab dem Moment, wo es wirklich klar war, doch, dass es jetzt der letzte Weg kam und danach ist die Sportkarriere vorbei.
00:19:58: Was hattest du da für Vorbereitungen?
00:19:59: Was war dein Plan für die ersten paar Wochen oder Monate?
00:20:03: Die ersten paar Wochen wusste ich, dass ich da bei Arto Nice bei der Eislaufshow in der Schweiz auftreten werde.
00:20:10: Oder wir waren damals sogar noch im Ausland auf Tournee.
00:20:13: Das heißt, ich wusste, ich habe die Wochen danach, so wie Ja, der Fäufer und Zweckli sozusagen, ich kann... noch performen vor dem Publikum und das war immer so ein Riesenhighlight, weil ja in der Schweiz Heimpublikum und die Wettkampfläufer sind so wie eine große Familie, kommen zusammen mit den Musikerkünstlern.
00:20:34: Es war immer ja sehr cool.
00:20:36: Also ich wusste, die ersten paar Wochen sind dann geregelt und ich dachte dann im Herbst beginne ich dann ein Studium.
00:20:43: Ich hatte eben gar nicht mit dem EAM-Titel gerechnet und was dann kam, waren einfach sehr, sehr viele Termine, auch sehr positiv, sehr viele Auftritte.
00:20:51: Noch mehr Anfragen, als du sonst gehabt hättest?
00:20:53: Ja, also viel mehr.
00:20:54: Ich hatte so viele Medienanfragen, auch für Referate, für auch Shows auf der ganzen Welt und ich habe dann gedacht, ja gut, das muss ich jetzt nehmen, wenn das mir schon so mitzufliegt und ich habe dann kein Studium begonnen, sondern bin dann noch jahrelang für Eislaufshows.
00:21:12: Ja, in der Welt rumgereist.
00:21:13: Und das ging aber gut mit der körperlichen Verfassung?
00:21:16: Ja, das ging sehr gut, weil eben diese Grenze mit diesen Sprüngen, diese ganz schwierigen Sprünge, wo ich den Fuß so stark belastet habe, die konnte ich in der Show zum Beispiel weglassen.
00:21:26: Oder ich musste die nicht mehr fünfzigmal am Tag machen, sondern vielleicht zweimal und dann in der Show einmal so.
00:21:33: Das ging sehr gut.
00:21:35: Das war für mich wirklich perfekt.
00:21:36: Ich konnte die Zeit so genießen und trotzdem hatte ich noch etwas Struktur mit dem Training.
00:21:41: Ich ging immer noch fast täglich aufs Eis, aber nicht mehr drei Stunden, sondern vielleicht vierzig Minuten oder eine Stunde und hat mir Zeit auch, konnte ein bisschen länger Ferien machen und mit anderen Dingen noch Zeit verbracht.
00:21:55: Gab es irgendetwas in dieser Phase, was so komplett anders war, als es dir vorgestellt hat, als du du überhaupt nicht darauf vorbereitet warst?
00:22:02: Ich weiß einfach noch, dass ... Wenn die Struktur wegfällt, ist es schon recht schwierig.
00:22:08: Ist der Tagesablauf
00:22:09: die Struktur?
00:22:09: Ja, ich liebe das auch.
00:22:11: Das entspricht mir sehr.
00:22:12: Deswegen habe ich ja vor dem Trainingslager erwähnt, dass ... Oder auch Artemis mit der Show, wenn man den Plan kriegt, dann ist Frühstück, dann gibt es das, dann das.
00:22:21: Das macht ja dann
00:22:22: auch
00:22:22: alles
00:22:22: zusammen.
00:22:23: Genau, und ich habe das so war mein Leben einfach jahrelang mit dieser Struktur.
00:22:29: Und dann war schon ab und zu die Frage morgen, ja ... Aber wann gehe ich dann jetzt ins Training?
00:22:34: Weil meine Trainerin kam dann nicht mehr jeden Tag natürlich.
00:22:39: Wann stehe ich jetzt auf?
00:22:41: Ich habe damals in einer Wohngemeinschaft gelebt mit drei Kolleginnen, die natürlich alle arbeiten gingen oder an die Uni.
00:22:47: Und dann, ja, ich war dann einfach zu Hause und dachte, ich könnte jetzt um acht Uhr aufstehen und Sport machen, aber ich könnte ja auch bis zwölf Uhr schlafen oder eigentlich könnte ich den ganzen Tag schlafen.
00:22:56: Es merkt ja wie niemand.
00:22:58: ob ich jetzt dort auftauche oder nicht.
00:23:01: Und das, meine Schwester hat mir dann schon mal gesagt, such dir doch jetzt ein Hobby, weil das geht so nicht weiter.
00:23:09: Hast du das nicht auf die Reihe gekriegt?
00:23:11: Also es war nicht schlimm in dem Sinne.
00:23:13: Also ich bin nicht in eine Depression gestürzt oder so, aber es gab schon so Phasen, wo ich vielleicht wusste ja, der nächsten Termin oder die nächste Show ist jetzt in drei Wochen.
00:23:24: Was mache ich bis dann?
00:23:25: Genau.
00:23:26: Und meine Freunde hatten ja alle die Struktur.
00:23:28: Es war ja nicht so, dass ich dann ein Umfeld hatte, die auch alle frei hatten oder mit mir irgendwie verreisen konnten.
00:23:34: So dass diese Phase, das brauchte ein bisschen Zeit, bis ich merkte, ich muss mir meine eigene Struktur bauen und ich muss vielleicht einfach mehr auch ja Personen fragen und mit denen dann abmachen, dass ich dann da sein muss, oder?
00:23:48: Ja.
00:23:49: Und hat das gut geklappt?
00:23:51: Also hast du das selber dann wieso gelernt, wie du dich selber?
00:23:55: Ja, ich glaube, es war ein Sommer lang, war es ein bisschen schwierig und dann hat sich das so eingepindelt.
00:24:00: Ich habe dann auch ein CHS, also Ausbildung, noch nebenher gemacht.
00:24:06: Dann habe ich ein Praktikum im Journalismus gemacht, dann habe ich die Journalistenschule begonnen, also es war dann relativ ... Ja, es war relativ schnell dann wieder sehr ausgefühlt das Leben.
00:24:16: Also die berufliche Entscheidung, eben nochmal was komplett Neues anzufangen, bei dir war das der Journalismus.
00:24:21: Hattest du das schon lange auch so geplant oder ist das zufällig irgendwie passiert?
00:24:25: Wie bist du da reingeraten?
00:24:26: Das
00:24:26: ist auch zufällig passiert.
00:24:28: Und deswegen glaube ich mittlerweile im Leben, wenn sich eine Tür schließt, dann öffnet sich wieder eine.
00:24:34: Natürlich nicht, wenn man einfach auf dem Sofa liegt, aber wenn man... generell bemüht ist, die Augen offen hält auch.
00:24:40: Und ja, dann glaube ich daran.
00:24:43: Und es hat sich bei mir so ergeben dann, dass ich ein Praktikum im Journalismus machen konnte.
00:24:47: Und ich hatte vorher gar nicht daran gedacht, ich habe dann einfach Ja gesagt.
00:24:52: Deswegen finde ich auch so.
00:24:53: Du
00:24:53: wurdest angefragt,
00:24:54: ob du das machen
00:24:55: willst.
00:24:55: Und das Ja sagen, ich habe jetzt oft zu Dingen Ja gesagt, wo ich vielleicht dachte, oh, ich kann das nicht, oder ich bin gar nicht bereit dazu.
00:25:03: Und es hat sich immer... gezeigt, dass es die richtige Entscheidung war.
00:25:07: Und das gibt mir irgendwie Mut auch für die Zukunft ab und zu mal ja zu sagen, wenn ich nicht weiß, ob ich das schaffe.
00:25:14: Dein heutiger Mann, Jan van Werkel, ist Triathlet oder war Profisportler auch, genau wie du, bis vor zwei Jahren,
00:25:21: glaube ich.
00:25:22: Als er dann, als ich so der Rücktritt bei ihm auch abgezeichnet hat, was hast du ihm dafür Tipps gegeben oder wie hast du ihn da so, wie konntest du ihn unterstützen?
00:25:29: Er hat sich auch so ein Endziel sozusagen gesetzt und natürlich haben ihn auch viele Leute darauf angesprochen.
00:25:36: Ja, Eben Sara hat es ja richtig gemacht, sie hat ja den letzten Wettkampf gewonnen und das wäre doch schön und so.
00:25:42: Auch
00:25:42: nicht ganz einfach.
00:25:44: Und ich habe ihm dann immer gesagt, ich glaube, wenn du bis am Schluss alles gibt und mit dem Weg zufrieden bist, du musst es nicht von einem Resultat abhängig machen, sondern wie ich es auch gespürt habe.
00:25:56: Du musst alles geben bis am Schluss.
00:25:58: Und wenn der Weg stimmt, dann ist das Resultat dann zweitrangig.
00:26:01: Weil du musst dann auch ja mit dem weiterleben.
00:26:04: Und wenn du nur mit diesem Resultat zufrieden wirst, wird es schwierig.
00:26:08: Weil entweder musst du dann immer weitermachen, bis du es schaffst, oder du hörst dann unbefriedigt auf.
00:26:13: Also ich glaube, dieses Mindset, dass der Weg wichtig ist und nicht unbedingt dieser eine.
00:26:18: Weil das ist so vergänglich.
00:26:20: Oder am nächsten Morgen steht man wieder auf und ... Ja, ich habe ja gestern gewonnen, aber das Leben geht weiter.
00:26:26: Und diese Erfolge sind so vergänglich, aber was man aus dieser Zeit lernt, das nicht, das kann man dann auch mitnehmen.
00:26:32: Und hat er auf dich gehört?
00:26:33: Ich glaube schon.
00:26:34: Er hat mir immer wieder mal so gesagt, dass er sich das sehr zu Herzen genommen hat.
00:26:39: Und bei ihm ging es dann aber auch gut auf.
00:26:41: Er hat dann auch noch gewonnen bei seinem letzten Wettkampf.
00:26:44: Also, ja, war der Weg richtig, weil das Resultat gibt ja dann am Schluss schon auch recht, dass der Weg nicht ganz falsch war.
00:26:53: Wenn du jetzt selber von heute aus auf deinen Rücktritt schaust, gibt es was, dass du anders machen würdest aus heutiger Perspektive?
00:27:01: Nein eigentlich nicht, aber ich kann natürlich jetzt gut reden mit diesem Resultat.
00:27:07: Wenn ich nicht gewonnen hätte oder es nicht so erfolgreich gewesen wäre, hätte ich vielleicht schon Dinge.
00:27:13: Wenn ich so über die ganze Karriere blicke, habe ich schon Dinge, die ich auch anders machen würde.
00:27:18: Ich würde zum Beispiel viel früher beginnen auf den Körpermeerach zu geben.
00:27:23: jetzt mit der Perspektive über vierzig und eben mit einer Hüfte, die nicht ganz so gesund ist.
00:27:29: Also es gibt ein Leben danach und das ist auch wichtig.
00:27:32: Und wenn man so drinsteckt in der Karriere, dann ja, dann verliert man vielleicht den Weitblick und so das Rationale schon noch ein bisschen aus den Augen, weil man einfach so unbedingt ja diesen sportlichen
00:27:46: Moment drin hat, auch ist.
00:27:48: Und ja, was ist dann mit Vierzig?
00:27:50: Das geht dann schon wieder, weil die Verletzung heilt ja dann.
00:27:53: Aber das wirklich, ich habe immer das Gefühl, ich hatte eine gesunde Balance, aber einfach das aus heutiger Sicht würde ich noch früher noch mehr Gewicht auf Gesundheit und eben Physiotherapie oder einfach verschiedene Therapien und Krafttraining und das alles.
00:28:08: Zu ein bisschen ganzheitlicher.
00:28:09: Genau, ja.
00:28:11: Was hast du denn in deiner Profisportkarriere gelernt, was dir auch jetzt heute im Leben noch viel bringt?
00:28:17: Ich glaube, es sind eher die Softskills oder die ich transferieren kann.
00:28:21: Das ist Disziplin, Struktur, auch was ich vorgesagt habe im Mal Ja sagen, wenn man vielleicht nicht weiß, sich selber vertrauen, viele mentale Strategien mit Nervosität und Druck umzugehen.
00:28:36: Ja, Zeitmanagement vor die Leute hinzustehen, wenn ich vielleicht etwas sagen oder präsentieren muss.
00:28:43: Sind das alle Sachen, die du auch vor... wo du einfach so von Natur aus auch schon gut drin bist, oder sind das wirklich auch Sachen, die du gelernt hast in deiner Vorkarriere?
00:28:51: Das habe ich alles gelernt.
00:28:52: Ich bin von Natur aus recht introvertiert.
00:28:55: Das Eiskunstlaufen hat mich da sehr viel gelernt, weil genau du musst alleine da raus und dich präsentieren und verkaufen.
00:29:05: Ja, ich mache das überhaupt nicht.
00:29:07: Zum Beispiel in der Schule war meine Mündlich Note nicht unbedingt so gut, weil ich bin dann eher die gedacht hat, aber vielleicht stimmt es ja nicht.
00:29:15: Also sage ich jetzt vielleicht lieber nichts.
00:29:17: Ja, sich selber zu vertrauen oder auch diese mentalen Strategien, das habe ich alles in der Sportpsychologie gelernt über die Jahre.
00:29:24: Eben Atemregulation, einfach wie man den Körper regulieren kann, eben über verschiedene Methoden, wie eben den Atem oder Gedanken, visualisieren die verschiedenen Techniken, das kann ich, ich glaube, das würde ich ohne den Sport alles nicht können.
00:29:40: Gibt es für dich?
00:29:41: So eine klare Trennung in deinem Leben vor dem Rücktritt und dann eben nach dem Rücktritt.
00:29:46: Ist das Gefühl, sind das so zwei Leben oder nicht?
00:29:49: Für mich ist es nicht unbedingt so vor oder nach dem Rücktritt, sondern vor oder nach dem Eiskunst laufen, weil ich bin ja dann noch sechs, sieben Jahre Shows gelaufen und genau ich hatte da noch das Publikum und das Feeling, das Training.
00:30:05: Oder das vor und nach der Spitzensportkarriere.
00:30:09: Das ist schon ein Unterschied.
00:30:14: Aber trotzdem, ich habe mich letztendlich gefragt, wieso prägt einem das so sehr.
00:30:18: Ich glaube, es ist einfach auch, weil es die ersten Jahre des Lebens sind.
00:30:22: Ich kann es nicht sagen, aber die ersten, irgendwie waren bei mir dann fast die ersten dreißig Jahre des Lebens.
00:30:27: Obwohl ich schon relativ lange nicht mehr auftrete, kann ich mich immer noch sehr gut hineinversetzen und identifizieren.
00:30:37: Vielleicht auch durch meinen Mann, der noch länger in diesem Spitzensportfeeling drin war.
00:30:42: Also ich glaube manchmal denken die Leute schon, ja das ist immer noch ein bisschen extrem.
00:30:47: Mit dem Sportpensum oder einfach mit unserem Lifestyle, der schon eher gesund ist und halt...
00:30:53: Das weil du immer noch so viel Sport macht.
00:30:55: Und auch mit der Familie.
00:30:56: Ja, und Fokus
00:30:57: halt schon auch.
00:30:58: Schlaf und gesunde Ernährung und Bewegung und draußen an der frischen Luft.
00:31:03: Einfach solche Dinge, die man halt das ganze Leben lang darauf geachtet hat.
00:31:07: Von dem her klar ist, dass mein Leben ganz anders, aber mein Mindset ist irgendwie nicht ganz so anders als früher.
00:31:13: Natürlich bin ich älter geworden und das verändert sich ja bei jedem, aber nicht unbedingt durch jetzt Sport oder Nichtsport.
00:31:20: Also der extreme Spitzensport, den gab es einmal und den gibt es jetzt nicht mehr in der gleichen Form, aber dass selten alles, das meinst du, wie du gesagt hast, das war davor und danach eigentlich dasselbe.
00:31:31: Ja, wahrscheinlich bin ich nicht mehr so extrem, genau, es gibt nicht mehr nur schwarz-weiß, es gibt schon auch jetzt verschiedene Grautöne.
00:31:41: Danke vielmals, Sarah Meyer oder Sarah van Werkl, Dankeschön, warst du hier und für das Gespräch.
00:31:45: Danke sehr.
00:31:50: Und mit diesem positiven Mindset entlass ich euch ganz gerne in diese Woche.
00:31:55: Mein Name ist Alice Grosjean, ihr habt NZZ Megaherz gehört, heute mit der Eiskunstläuferin Sarah van Berkel.
00:32:02: Macht's gut, bis bald, tschüss!
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